Einfluss von „oben“

Bei der Beitragsparade der #edupnx geht es im Februar um die „Lehrerbildung – Kompetenzen einer Lehrkraft in der digitalen Welt“. Ich kann die Punkte von Alicia Bankhofer (#aliciabankhofer) und Martina Grosty (#mgrosty) unterstreichen, die Mikrofortbildung vorschlagen. Alleine aufgrund der großen Heterogenität der Kollegien sind Fortbildungen im – doppelsinnigem – kleinen Maßstab notwendig: einmal in kleinen Gruppen, um möglichst intensiv arbeiten zu können, und mit kleinem Zeitumfang, um die „Häppchen“ möglichst gut verdaulich zu halten. Auch muss Zeit eingerechnet werden für die Einübung der neuen digitalen Wege und Umstellung vom analogen zum digitalen Arbeiten und Unterrichten.
Zeit oder ihr Fehlen, wie Daria Burger (#daria_burger), völlig zu Recht betont, wird häufig als Totschlagargument genutzt. Umso wichtiger ist die Bereitstellung derselben durch die maßgeblichen Zeitgeber, also die Kultusministerien. Wenn diese die Zeitfrage auf die Schulleitungen („Nehmt doch die pädagogischen Tage“) oder gar direkt auf die KollegInnen abwälzen mit dem Hinweis auf die in den Deputaten vorhandenen Kontingente für Fortbildungen und die Verpflichtung zum lebenslangen Lernen, wäre dieses Vorgehen halbgaren und entspräche nicht dem ausgesprochen Willen, die Digitalisierung im Bildungsbereich voranzutreiben. Dies muss bei den Budgets für die Digitalisierung im Bildungsbereich mit eingepreist werden.
Auf LehrerInnenseite ist vor allem der Wille zur Veränderung und Anpassung in einer sich stark weiterentwickelten Gesellschaft gefragt. Von den Lehrkräften wird erwartet, das sie, ob sie es wollen oder nicht, in eine Welt eintauchen, sie verstehen und anwenden, die in ihrem Privatleben in der erwarteten Tiefe subjektiv empfunden unbedeutend sein mag. Und: mit den studierten Fächern hat all das nichts zu tun, mag manch einer behaupten. Dies trägt nicht zur intrinsische Motivation bei. Das Verständnis dessen, was bei den SchülerInnen in den einzelnen Fächern ankommen soll, muss sich auf Lehrkraftseite grundlegend ändern. Umdenken, Umstellung, Neuausrichtung.
Aber auch hier werden sie gebremst durch die Vorgaben der Ministerien und der KMK, die an alten Prüfungsformaten festhalten und dadurch all denen Recht geben, die sagen, dass ein guter Abschluss ohne digitalen Kompetenzen möglich ist, und die Digitalisierung entsprechend in Frage stellen. Auch wenn in den meisten Bildungsplänen die Kompetenzen der Schülerinnen im digitalen Bereich gefördert werden sollen, am Ende sind sie noch nicht prüfungsrelevant (zumindest in BW nicht) Die Kultusministerien können also viel steuern über die Bildungsplaninhalte, die Abschlussprüfungen, die Lehrerbildung und die bereitgestellte Zeit für die notwendigen Veränderungen. Und ja, solange bei der Verteilung von Anweisungen von oben noch E-Mails mit Anhängen verschickt werden anstatt Zugriff auf zentrale Datenspeicher zu gewähren, „stinkt der Fisch vom Kopf“ und Frau oder Herr KultusministerIn braucht sich nicht zu wundern, dass der erwartete Wandel langsamst vonstatten gehen.
Bitte nicht falsch verstehen, ich möchte die Verantwortung nicht nach oben abdrücken. Die Schulleitungen spielen mit ihrer Vorbildfunktion eine zentrale Rolle bei der Digitalisierung. Und jede Lehrkraft kann sich in Ihrem Rahmen selbständig weiterentwickeln. Also lasst uns voranschreiten.

Bild: CCO Pixabay

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